Gerade hier bei uns im Voralpenland wissen wir: Der Herbst kommt früh, der Winter bleibt lang, und die Übergänge zwischen den Jahreszeiten können das Immunsystem ganz schön auf Trab bringen. Wer morgens aus dem Fenster schaut und die ersten Nebelschwaden zwischen den Bergen hängen sieht, ahnt oft schon, was kommt – und tatsächlich melden sich in unserer Praxis ab Oktober die ersten Patienten mit Schnupfen, Halsschmerzen und Husten.
Das ist zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. Aber immer wieder beobachten wir, dass Menschen zu lange warten – und manchmal auch zu früh beunruhigt sind. Deshalb möchten wir Ihnen heute ein bisschen Orientierung geben: Was steckt hinter Ihren Beschwerden, und wann ist es wirklich Zeit, ärztliche Hilfe zu suchen?
Erkältung oder Grippe – der Unterschied ist größer als viele denken
Eine Erkältung (medizinisch: grippaler Infekt) beginnt meist schleichend. Erst kratzt es im Hals, dann kommt der Schnupfen, vielleicht ein leichter Husten. Die Temperaturen bleiben häufig im normalen Bereich oder steigen nur leicht an. Man fühlt sich nicht gut – aber man kann sich noch um sich selbst kümmern.
Die echte Grippe (Influenza) hingegen trifft einen wie ein Hammer. Die Betroffenen berichten mir oft: „Ich war morgens noch auf der Arbeit, mittags konnte ich kaum mehr stehen.“ Hohes Fieber von 39 bis 41 Grad, starke Gliederschmerzen, ausgeprägte Erschöpfung – das ist Grippe. Der Körper kämpft mit aller Kraft, und das spürt man deutlich.
Wichtig zu wissen: Selbst wenn beides „nur“ ein Virusinfekt ist, ist die Grippe keine harmlose Erkältung. Besonders für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen kann sie sehr belastend werden.
Warnzeichen, bei denen Sie nicht abwarten sollten
In unserer täglichen Arbeit sehen wir immer wieder: Das eigene Bauchgefühl trügt selten. Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt – nehmen Sie das ernst. Und bei folgenden Zeichen bitte ich Sie ausdrücklich, frühzeitig in die Praxis zu kommen oder im Notfall den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) zu kontaktieren:
- Hohes Fieber über 39 °C, das länger als zwei bis drei Tage anhält oder nach einer kurzen Besserung wieder ansteigt
- Starke Brustschmerzen oder Kurzatmigkeit – das können Zeichen einer Lungenentzündung sein, die dringend abgeklärt werden muss
- Verwirrung oder ungewöhnliche Benommenheit, besonders bei älteren Patienten
- Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden und geschwollenen Lymphknoten, die sich innerhalb weniger Tage deutlich verschlechtern
- Ohrenschmerzen, besonders wenn sie einseitig und stark sind – ein Zeichen für eine mögliche Mittelohrentzündung
- Kein Besserungstrend nach sieben bis zehn Tagen – spätestens dann sollte eine ärztliche Einschätzung erfolgen
Ein Warnsignal, das ich gerne noch eigens erwähne: ein zweiphasiger Verlauf. Es geht Ihnen besser, und dann auf einmal wieder deutlich schlechter. Das kann auf eine bakterielle Superinfektion hinweisen – also eine zusätzliche Bakterieninfektion, die auf dem Boden des Virusinfekts entsteht.
Was wir in der Praxis für Sie tun: CRP-Test und klinische Einschätzung
Wenn Sie zu uns kommen, nehmen wir uns zunächst Zeit, um zuzuhören. Wie lange bestehen die Beschwerden? Wie fühlen Sie sich gerade? Gibt es Vorerkrankungen?
Dann folgt die körperliche Untersuchung – Abhören der Lunge, Anschauen des Rachens, Abtasten der Lymphknoten. Oft reicht das schon für eine gute Einschätzung. In vielen Fällen setzen wir zusätzlich den CRP-Schnelltest ein. CRP (C-reaktives Protein) ist ein Entzündungsmarker im Blut. Mit einem kleinen Tropfen Blut aus der Fingerkuppe können wir innerhalb weniger Minuten sehen, ob und wie stark sich eine Entzündung im Körper abspielt.

Das hilft uns bei einer wichtigen Frage: Ist das eine virale Erkältung, die von selbst abheilt – oder steckt eine bakterielle Infektion dahinter, die mit Antibiotika behandelt werden sollte? Diese Unterscheidung ist entscheidend. Antibiotika helfen nicht gegen Viren – und unnötig eingesetzt schaden sie mehr als sie nutzen. Der CRP-Test gibt uns eine verlässliche Entscheidungshilfe.
Unser Rat an Sie
Wir wissen, dass viele Menschen ungern zum Arzt gehen – sei es, um andere nicht zu belasten, oder weil man denkt: „Das wird schon wieder.“ Und oft stimmt das auch. Aber: Bei Unsicherheit lieber frühzeitig vorstellen.
Eine Erkältung müssen Sie nicht aussitzen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Beschwerden sich verändern, verschlechtern oder einfach nicht besser werden, dann sind Sie in unserer Praxis genau richtig. Gemeinsam schauen wir, was hinter Ihren Symptomen steckt – und was als nächstes zu tun ist.
Bleiben Sie gesund!
Dr. med. Daniel Darga
Hausärzte Bad Feilnbach